Daniela

Die vierte Gewalt – Richard David Precht / Harald Welzer

Der Philosoph Precht und der Sozialpsychologe Welzer haben sich mitten in den Wirren der Corona-Zeit zusammengesetzt und ein wirklich lesenswertes Werk über den aktuellen Journalismus geschrieben.

Der Untertitel „Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, obwohl sie keine ist“ bringt uns bereits auf die richtige Fährte, denn es geht darum, warum Journalismus immer mehr zur Meinungsmache verkommt und immer weniger das ist, was er sein soll: Ein Aufzeigen von dem was ist, um das Kommentar, den Rezipienten – also allen MedienkonsumentInnen – zu überlassen.

Medien haben, und das lernen alle PubizistikstudentInnen in Österreich gleich in den Einführungsvorlesungen, die Aufgabe des „agenda settings“. Das bedeutet, sie sollen Themen vorgeben, über die der öffentliche Diskus stattfinden soll. Sie sollen also vorgeben, WORÜBER gesprochen werden soll, aber nicht WAS gesprochen oder gedacht werden soll. Gerade am Beispiel der Corona-Krise haben wir aber erlebt, dass viel zu oft gleich Meinung mitgeliefert wurde. Welzer und Precht gehen dem auf den Grund und sehen das Problem in erster Linie an der Vermischung der „Direktmedien“ – also Twitter, Facebook, Instagram usw. – mit den „Leitmedien“ – also den Hauptsächlich zur Meinungsbildung verwendeten Print-, elektronischen- oder Onlinemedien wie öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Tageszeitungen und Radiosendern, die einen gewissen Bildungsauftrag innehaben oder mit qualitativ hochwertigem und gut recherchiertem Journalismus werben.

Viele JournalistInnen sind in einer Art Doppelrolle, indem sie auf der einen Seite fundiert recherchieren und berichten sollen, auf der anderen Seite aber selbst ProtagonistInnen auf z.Bsp.: Twitter sind, wo hemmungslos Meinung gemacht und geurteilt wird. Diese Doppelrolle verträgt sich nicht mit echtem Journalismus und weil dort alle „Meinung machen“, sieht man an Meinungsmache an sich nichts Schlimmes mehr und stimmt in den Chor der Vielen ein. So wird ungeniert mit jedem Artikel oder Beitrag unterschwellig auch Meinung transportiert. Dies führt dazu, dass immer weniger Menschen den herkömmlichen Medien vertrauen und sich ihre eigene Meinung bilden. In der Coronazeit hat das, gerade was Themen wie die Impfung oder Lockdowns betrifft, dazu geführt, dass sich teils starke und kritische Gruppierungen gebildet haben, die den öffentlichen Diskurs bestimmt haben.

Precht und Welzer geben zu denken und stoßen damit eine Diskussion über Medien und ihre Rolle in der Gesellschaft an. Immerhin spricht man von der vierten Gewalt im Staate, neben Legislative, Exekutive und Judikative. Diese Rolle sollen die Medien auch endlich wieder einnehmen – so ihre Forderung.

Ein Buch, dass tatsächlich sehr zum Nachdenken anregt und uns alle in die Pflicht nimmt, die wir täglich in sozialen Medien Meinung und Fakten vermischen und kaum mehr wirklich auseinanderhalten können. Ein Plädoyer für Quellenrecherche und Ehrenkodex in einer sehr zerrissenen Medienbranche.

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